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Wirkungsanalyse im Jahresbericht: So machst du diesen aussagekräftiger


In der Schulsozialarbeit werden Jahresberichte oft auf Fallzahlen und Statistiken reduziert. Doch was wäre, wenn wir tiefer blicken und Erkenntnisse darüber gewinnen könnten, welche Ansätze in welchen Fällen besonders gut gewirkt haben und welche nicht? Eine wirkungsvolle Analyse geht über blosse Zahlen hinaus und fragt:


  • Welche Menschen mit welchen Geschichten erreichen wir?

  • Wie verändert oder verbessert sich durch unsere Arbeit ihr Leben?

  • Entspricht das den Annahmen und Erwartungen, die wir hatten? Und wenn nicht, warum?


Es ist wichtig, diese Fragen zu stellen, auch wenn die Fälle individuell und unterschiedlich sind. Es gibt möglicherweise gemeinsame Themen und Erfolgsfaktoren, die sich in den meisten Fällen positiv auswirken. Viele Fachpersonen verfügen bereits über langjährige Erfahrung und Intuition. Doch wird dieses wertvolle Wissen dokumentiert und weitergegeben? Können positive Beispiele genutzt werden, um ihr Potenzial zu entfalten?


Statt nur Statistiken in Berichte zu packen, wäre es sinnvoller und motivierender, dieses Wissen und die Erkenntnisse aus der Praxis zu sammeln, zu bündeln, zusammenzufassen, weiterzugeben und sichtbar zu machen. Der daraus resultierende Mehrwert könnte erheblich sein und die investierte Zeit sinnvoller genutzt werden.


Wir haben ein Interview mit Nora geführt, dieses könnt ihr in diesem Blog anhören oder lesen. Gerne laden wir euch auf ein persönliches und kostenloses Webinar im August ein.


Teil 1: Einführung ins Thema



Roger: Ich habe heute eine Spezialistin bei mir, die sich gleich selbst vorstellen wird.


Nora: Ja, gerne. Ich bin Spezialistin im Bereich Wirkungsmanagement. Das bedeutet, ich beschäftige mich nicht nur mit der Messung von Wirkungen, sondern auch mit der Planung, Kommunikation und Nutzung der gewonnenen Daten und Informationen.


Roger: Die Schulsozialarbeit ist in den letzten 20 Jahren in praktisch jeder Schweizer Gemeinde eingeführt worden. Lehrpersonen betonen die Notwendigkeit, da immer mehr soziale Probleme auftreten. Viele glauben, dass die Wirkung der Sozialarbeit offensichtlich ist und daher keine Messung benötigt.


Nora: Genau, es gibt den Glaubenssatz, dass die Wirkung der Sozialarbeit nicht gemessen werden kann, da es sich um individuelle Fälle mit unterschiedlichen Geschichten und Menschen handelt. Ich verstehe diese Sichtweise und stelle sie nicht grundsätzlich in Frage. Allerdings bietet die Wirkungsanalyse die Möglichkeit, hinter die Zahlen zu schauen und zu verstehen, wie unsere Arbeit das Leben der Menschen verbessert oder verändert.


Roger: Ist dies nicht ein Mehraufwand?


Nora: Ein Hauptargument gegen Wirkungsanalyse ist der hohe Aufwand. Es erfordert Planung, Definition von Wirkungszielen und Datenerhebung. Der Mehrwert liegt jedoch in der gezielten und effizienteren Nutzung von Methoden und Ansätzen, von denen man weiss, dass sie funktionieren. Langfristig gesehen, ist es eine sinnvolle Investition, da man Ressourcen effizienter einsetzen kann.


Roger: In der Schulsozialarbeit ist es oft ein Problem, dass die Schülerzahlen steigen und die Sozialarbeiterinnen mehr Stellenprozente benötigen. Wie kann deine Beratung hier helfen?


Nora: Wenn bereits Daten erfasst werden, ist das ein grosser Vorteil. Es geht dann darum, diese Daten auszuwerten und zu analysieren. Damit kann man nicht nur höhere Fallzahlen präsentieren, sondern auch zeigen, was durch die Arbeit erreicht wurde. Das erhöht die Glaubwürdigkeit und Transparenz und hilft bei der Argumentation für mehr Ressourcen.


Roger: Unsere Anwenderinnen erstellen oft Jahresstatistiken und zeigen damit, dass die Schülerzahlen steigen. Reicht das nicht?


Nora: Das kann ich nicht beurteilen. Ich behaupte einfach, dass es glaubwürdiger ist, wenn man auch zeigen kann, was durch die Arbeit erreicht wurde. Höhere Fallzahlen bedeuten nicht automatisch, dass mehr erreicht wurde. Wenn man zusätzlich zu den Zahlen zeigen kann, wie sich die Arbeit auf das Leben der Menschen auswirkt, ist das meiner Meinung nach überzeugender.


Roger: Also kannst du uns helfen, über die reine Statistik hinauszugehen und qualitative Daten zu nutzen?


Nora: Genau. Das Wissen und die Erfahrungen, die in der Schulsozialarbeit gesammelt werden, sind sehr wertvoll und sollten weitergegeben werden. Es geht darum, nicht nur steigende Fallzahlen zu präsentieren, sondern auch die Geschichten und Ergebnisse dahinter zu zeigen. Das könnte auch anderen Schulen und Teams helfen.


Roger: Dann könnten wir im zweiten Teil des Interviews in Praxisbeispiele eintauchen und einige Fragen stellen, die unseren Kundinnen und Kunden bei ihren Jahresberichten helfen könnten. Klingt das gut?


Teil 2: Vertiefung und Analyse von Statistiken



Roger: Willkommen zum zweiten Teil mit Nora Julien. Nora, könntest du dich kurz vorstellen und uns von deinem beruflichen Hintergrund erzählen?


Nora: Gerne! Ich bin Nora Julien und mit meiner Firma changetrackers.ch als Expertin für Wirkungsmanagement tätig. Ich arbeite mit Organisationen zusammen, die ihre Ressourcen nachhaltig und wirksam einsetzen wollen. Meistens sind das Non-Profit-Organisationen, soziale Unternehmen oder Vereine, aber auch kommerzielle Unternehmen interessieren sich zunehmend dafür.


Roger: Es geht also darum, den tatsächlichen Impact zu messen und nicht nur Greenwashing zu betreiben?


Nora: Genau. Mit Wirkungsmanagement kann man Greenwashing entgegenwirken und zeigen, was wirklich bewirkt wird.


Roger: Schauen wir uns doch mal den Jahresbericht einer grossen Schweizer Stadt an. Der Bericht zeigt, dass die Anzahl der Einzelberatungen von 554 auf 575 gestiegen ist. Was sagst du dazu?


Nora: Die Anzahl der Einzelberatungen ist eine wichtige Ausgangslage, aber sie sagt wenig über die tatsächliche Wirkung aus. Wir müssen uns fragen, was wir bei diesen 575 Schülerinnen und Schülern konkret verändert oder verbessert haben.


Roger: Im Bericht wird auch nach Stufen unterschieden: 24 Beratungen im Kindergarten, 335 in der Primarstufe, 138 in der Realstufe und 87 in der Sekundarstufe. Was bedeutet das?


Nora: Es ist wichtig zu hinterfragen, ob diese Verteilung unseren Zielen und Erwartungen entspricht. Wollen wir im Kindergarten mehr erreichen? Gibt es dort keinen Bedarf oder erreichen wir diese Zielgruppe nicht? In der Wirkungsanalyse reflektieren wir solche Ziele und definieren, was wir mit welcher Zielgruppe erreichen wollen und warum.


Roger: Ich habe hier noch einen Jahresbericht, der mit dem ssa-app.ch erstellt wurde. Er beschreibt ein Projekt zur Partizipation. Wie siehst du das?


Nora: Das ist aussagekräftiger. Es stellt sich jedoch die Frage, warum Partizipation als Ziel wichtig ist und welche langfristigen Ziele dahinterstehen. Es ist wichtig, nicht nur Aktivitäten zu beschreiben, sondern auch deren Wirkung und die zugrunde liegenden Annahmen zu hinterfragen.


Roger: Sollten wir uns nicht auch fragen, ob dies der richtige Einsatz unserer Ressourcen ist?


Nora: Absolut. Wirkungsanalyse hilft, Rollen und Aufgaben klar zu definieren und Ressourcen effizienter einzusetzen. Es ermöglicht, Prioritäten zu setzen und sich auf Massnahmen zu konzentrieren, die tatsächlich eine positive Wirkung haben.


Roger: Zum Abschluss: Du bietest zusammen mit uns ein Webinar an, in denen du zeigst, wie man solche Jahresberichte analysieren und verbessern kann. Was erwartet die Teilnehmenden?


Nora: In den Webinaren zeige ich Modelle und Instrumente der Wirkungsanalyse und erläutere die notwendigen Schritte. Teilnehmer können ihre eigenen Jahresberichte mitbringen und wir analysieren sie gemeinsam. Wer Interesse hat, kann sich auch direkt mit mir in Verbindung setzen, um ein individuelles Gespräch zu vereinbaren.


Roger: Vielen Dank, Nora. Die Details und Anmeldemöglichkeiten findet ihr auf unserer Webseite. Bis zum nächsten Mal!





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